Lörrach: 1-Euro-Ticket – Gemeinderat ist weitgehend gegen 9-Uhr-Regelung – wo bleibt die alternative Angebotsverbesserung vonseiten der Verkehrsunternehmen?

Bei der Lörrach Gemeinderatssitzung am 02. Mai 2019 wurde auch da Thema „1-Euro-Ticket“ besprochen. Der Tarifverbund RVL hält entsprechenden Presseberichten zufolge an der Gültigkeit unter der Woche erst ab 9 Uhr fest. Zumindest SPD, CDU und Freie Wähler stoßen sich an dieser Regelung. Schließlich war von vornherein ein uneingeschränkter 1-Euro-Tarif angedacht.

Die Grünen-Fraktion hingegen scheint es nicht so zu stören, ein Stadtrat dieser Fraktion soll laut „Badische Zeitung“ betont haben, dass allein wegen des Preises niemand umsteige. Doch ist das wirklich so? Schauen wir mal zurück ins Jahr 1994. Da wurden die beiden deutschen Bahnen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn zur Deutschen Bahn AG zusammengefasst und mit diesem Zusammenschluss kam das „Schönes-Wochenende-Ticket“ auf den Markt. Dies führte schlagartig zu einer starken Zunahme der Fahrgastzahlen im Eisenbahn-Nahverkehr, welche die Bahn wiederum veranlassten, die Preise stetig zu erhöhen und die zeitliche Gültigkeit einzuschränken. Heute steht das „Wochenendticket“ zwar vor dem Aus (es gibt mit dem Quer-durch-Deustchland-Ticket, zahlreichen großen Verkehrsverbünden und den Ländertickets Alternativen), aber das Beispiel zeigt, dass eben der Preis doch etwas ausrichtet. Und: Fernreisende berichten begeistert von ihrer Nutzung der kostenlosen Nahverkehrssysteme in Großstädten Australiens oder der USA, die sie mit notwendigem Fahrscheinkauf nie benutzt hätten.

Und selbst wenn die Qualität das ausschlaggebende Argument für eine ÖV-Nutzung ist, warum haben die Verkehrsunternehmen im RVL nicht längst das Angebot erweitert, um Kunden im „normalen Fahrpreissystem“ hinzuzugewinnen? Jegliche Verbesserungen kamen nur durch das Engagement des Landkreises, von Gemeinden sowie durch nimmermüde nahverkehrsfreundliche Bürger und Politiker zustande. Es ist kein (veröffentlichter) Fall bekannt, wo mal ein Verkehrsunternehmen auf eine Gemeinde, den Landkreis oder das Land zugegangen wäre, mit der Bitte um finanzielle Unterstützung für eine Angebosterweiterung. Zudem ist das Angebot abgesehen von durch Kreis und Land geförderte Fahrten und Linien auf dem Stand von vor zehn Jahren, teilweise sogar darunter (siehe Entfall praktisch aller Fahrten der Buslinie 7300 zwischen Schopfheim und Lörrach). Eine Abstimmung der Verkehrs gibt es nach wie vor nur sehr tröpfchenweise, besonders die Linien der SWEG sind oft chronisch verspätet und die Fahrzeiten sind nie an steigende Fahrgastzahlen und steigenden Straßenverkehr hin angepasst worden. Nach wie vor fahren am frühen Nachmittag (auch samstags) oder abends nach 20 Uhr überfüllte Züge auf der S6, weil nur mit einem statt mit zwei Triebwagen gefahren wird, Anschlüsse funktionieren nicht, das Fahrpersonal spricht teilweise kaum deutsch oder kennt die zu fahrenden Linienwege nicht. Wo bleibt da die Verbesserung?

2 Kommentare

  1. Wir wohnen am Tüllinger-Berg in der unteren Hälfte und benutzen bei Bedarf die Buslinie 8 zur Fahrt ins Stadtzentrum, es ist jedoch unverständlich, dass hierfür der volle Fahrpreis entrichtet werden muss. Für die Rentner ist der Preis schon entscheidend und so bleibt uns nur das Auto um unsere Einkäufe zu erledigen, zu den laufend steigenden Kosten, verursacht in der Hauptsache durch Einkaufstourismus, kommen noch hohe Kosten für Parkplätze. Für alles ist viel Geld vorhanden, alle werden unterstützt, ob gerechtfertigt oder nicht, nur an die kleinen Einkommen wird nicht gedacht!

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