Landkreis Lörrach: Neues vom Nahverkehrsplan, neue Fahrten auf BUS 7300, 7309 und 7313.

Aktuell steht im Kreistag des Landkreises Lörrach die Fortschreibung 2020 des Nahverkehrsplanes an, die wohl bei der Sitzung im März 2020 beschlossen werden soll.  Dieser bestimmt die Qualität des Regionalbusverkehrs im Landkreis. Der online im Bürgerinformationsportal des Landkreises abrufbare Entwurf enthält doch einige interessante Details.

Zuallererst zu nennen ist hierbei die (beabsichtigte) Einrichtung der beiden Regiobuslinien zwischen Schopfheim und Rheinfelden (siehe separate Meldung) sowie von Lörrach zum EuroAirport. Weitere Angebotsausbauten sind kurz- bis mittelfristig (möglichst per Mitte Dezember 2020) geplant:

  • bei der Buslinie 7300 mit einer täglichen Abendfahrt als Anschluss vom in Schopfheim endenden vorletzten Zug der S6 bis Zell (Wiesental) sowie der neu täglichen (statt heute nur freitags und samstags) Fahrt von Zell (Wiesental) nach Todtnau als Abbringer von der letzten S6 von Basel in Zell.
  • bei der Buslinie 7308 zwischen Schopfheim und Gersbach im Zuge der Integration von Schülerverkehren zwischen Schlechtbach und Hausen (Wiesental) als reguläre Linienfahrten
  • bei der Buslinie 7313 zwischen Dossenbach und Schopfheim (neue Fahrten „um 6:30 und 19:00 Uhr“)
  • bei der Buslinie 7308 zwischen Schopfheim und Gersbach im Zuge der Integration von Schülerverkehren zwischen Schlechtbach und Hausen (Wiesental)

Außerdem wird geprüft, ob der Linienverkehr im Kleines Wiesental neu organisiert werden kann. Hierzu ist ein Stundentakt der Linie 7310 zwischen Schopfheim und Schönau (Schwarzwald) angedacht, während die Ortschaften „abseits der Linie“ z.B. mit einem Rufbusverkehr erschlossen werden könnten. Letzteres dürfte problematisch sein in einer Gegend mit miserablem Mobilfunkempfang, obwohl es freizeitmäßig und touristisch tolle Möglichkeiten ergäbe. Statt des heutigen auf die Schülerverkehre ausgerichteten Angebots und den kläglichen, praktisch kaum nutzbaren „Wanderbussen“ (2 Fahrten/Tag/Richtung in der Sommersaison an Sonntagen) würde ein regulärer, dicht getakteter Verkehr in der Tat Pendlern, Schülern sowie auch Touristen und Ausflüglern entgegen kommen.

Ein zudem mögliches Szenario wäre es, die Linie 7215 (Kirchzarten – Todtnau) bis Zell (Wiesental) mit dortigem Anschluss von/zur S-Bahn zu verlängern. Zusammen mit der Linie 7300 ergäbe sich ein Halbstundentakt zwischen Todtnau und Zell (der heute montags bis freitags durch die Linie 7300 allein gebildet wird) und auch wären Ski- und Wandergebiete um Todtnauberg, Muggenbrunn, Aftersteg, den Notschrei und den Schauinsland ab Zell direkt ohne Umsteigen erreichbar. Zudem würde sich das Angebot Todtnau – Zell an Samstagen, Sonn- und Feiertagen unter Umständen verdoppeln.

Im Markgräflerland ist angedacht, den Nahverkehr der heutigen Linien 1, 2, 4, 15, 55 und 264 komplett neu zu ordnen. Unter anderem wird hier gemeinsam mit dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald untersucht, ob es eine Regiobuslinie (Brombach -) Kandern – Müllheim (Baden) geben könnte. Aber auch eine „Ringverkehrslösung“ für die Bedienung der Ortschaften abseits der Kandertal- und Rheintalachse wird geprüft. Die Buslinie 55 könnte dann einen komplett neuen Fahrplan bekommen, so dass zwischen Wittlingen und Kandern zusammen mit der heute schon existierenden Regiobuslinie 54 ein 30-Minuten-Takt entstünde. Schallbach wäre in diesem Zusammenhang u.U. aus der Linie 55 herauszulösen und durch den genannten Ringverkehr anzubinden. Wenn man es geschickt anstellt, könnte es so auch weiterhin direkte Fahrten Basel – Schallbach geben. All diese Änderungen werden aber im Zusammenhang mit einer Fahrplanstudie zu einer potentiellen Kandertal-S-Bahn noch einmal detaillierter zu betrachten sein.

Auch ganz im Nordwesten sind Neuerungen angedacht: Auf Wunsch des Nachbarlandkreises ist beabsichtigt, die Busse zwischen Schliengen und Neuenburg (-Müllheim) via Steinenstadt stündlich verkehren zu lassen, wodurch die derzeitige Linie 4 mutmaßlich auf diesem Abschnitt durch die „Müllheimer“ Linie 110 ersetzt würde.

Umzuplanen ist des Weiteren der Verkehr mit der Ortschaft Inzlingen (heute Linie 3), wobei ein besserer Einbezug in den Ortsverkehr der direkt angrenzenden schweizer Nachbargemeinde Riehen ebenso denkbar ist wie ein Anschluss über Rührberg nach Wyhlen – Grenzach (Linie 7311).

Für die Linien 7301, 7302, 7305, 7306, 7307 und 7321 werden keine Änderungen explizit genannt, ebenso für die Stadtbuslinien 6, 7, 8, 9, 10, 12 und 16, für die nicht der Landkreis, sondern die jeweiligen Gemeinden zuständig sind.

Weitere im Nahverkehrsplan angedachte Festschreibungen betreffen die Barrierefreiheit von Bussen und Haltestellen, die Fahrgastinformation (Info-Monitore und Sprachansagen der Haltestellen). Gefordert wird generell auch eine Klimaanlage, ein Durchschnittsalter der Busflotten von maximal 7 Jahren, eine hohe Abgasnorm, die Steilstreckentauglichkeit der Fahrzeuge im Schwarzwald und am Hochrhein, oder dass Werbung an Fahrzeugen die Fahrgäste nicht beeinträchtigt und die Einstiege deutlich erkennbar bleiben lässt.

Festgeschrieben ist auch eine kreisweit einheitliche Nummerierung der Buslinien, welche im Sinne eines trinational einheitlichen Nahverkehrs auch Bezug auf die Nummerierung der Buslinien in der Schweiz und Frankreich nehmen soll. Erfreulicherweise konnte man sich durchringen, beim Fahrpersonal deutsche Sprachkenntnisse vom Niveau B2 (das ist praktisch fließendes Deutsch – in Frankreich fahrendes Basler BVB-Personal muss dort übrigens auch Französisch reden können) und auch Orts- und Fahrplankenntnisse zu fordern.

Neu gefordert wird zudem ein geregeltes Beschwerdemanagement mit einer einwöchigen Beantwortungsfrist von Fahrgastbeschwerden und eine Berichtspflicht z.B. über die Auslastung der Verkehre vonseiten der Verkehrsunternehmen.

Fazit: Wenn alles so vom Kreistag gutgeheißen wird, könnte das mit dem
Busverkehr im Landkreis Lörrach tatsächlich einen Schritt in 
Richtung "gutes Ende" bedeuten. Auch wenn sich die angedachten Änderungen
teilweise bis ins Jahr 2026 hinziehen sollen, so ist doch ein guter Schritt
in die richtige Richtung getan. Manch Busbetreiber wird zwar ob der neuen
Forderungen erbost sein und ein ganz bestimmter wird jeden angedachten
Neuverkehr von Vornherein als "nicht lohnenswert, wer soll das nutzen?"
hinstellen, aber man sollte bedenken: dass der Landkreis klare Forderungen
stellt, liegt in erster Linie daran, dass die Busunternehmen im Landkreis
- und damit ist praktisch jedes heute tätige gemeint - es bisher haben
"schleifen lassen" und kaum eigene Innovationen hervorbrachten, sich
aber immer "feiern ließen", wenn Externe (genannt sei zum Beispiel die
Gemeinde Grenzach-Wyhlen) attraktive Angebote einführten, auf denen sie
per Direktvergabe tätig wurden. Die Zeiten des "Das haben wir schon immer
so gemacht" sind hoffentlich vorbei.

 

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